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  • Eva Maria

Die Krise durchs Fernglas

18.000 km von zuhause entfernt und gefühlt doch so nah am Geschehen dabei. Mit dem riesengroßen Unterschied, dass die Welt hier in Neuseeland (noch) ein Stück weit mehr in Ordnung zu sein scheint.

So strecken die einen im Café ihre Gesichter der Sonne entgegen, Grannies parken ihre Autos gegenüber und beeilen sich zum Bridge-Turnier und Kinder toben und kreischen wie verrückt im Sand und jagen Möwen, die wie Papierflugzeuge durch die Lüfte segeln. Frei und unbekümmert wirkt es aber auch hier nur noch bei den kleinen Mäusen am Strand. Und wir? Wir sind irgendwo mittendrin. Mittendrin zwischen Gesicht in die Sonne strecken und mit tiefen Falten zwischen den Augenbrauen gefühlt minütlich die Nachrichten checken. Mittendrin zwischen „Komm, lass uns heimfliegen, solange es noch geht!“ und „Wir helfen zuhause gerade absolut nichts und niemandem. Wir bleiben hier.“. Mittendrin zwischen unsicher sein und ein wenig aufkeimende Angst verspüren und innehalten und sich wieder klar werden, dass es für uns absolut keinen Grund zur Panik gibt.


Also entscheiden wir uns gegen A) und fliegen nicht überstürzt nach Hause, sondern für B) bedacht und aufmerksam die Situation zu verfolgen. Wir checken aktuelle Nachrichten, buchen stornierte Flüge um, kontaktieren Botschaften und Außenministerien, lassen uns registrieren und versuchen jedes Mal neu die aufkeimende Unsicherheit gegen das Wissen einzutauschen, dass alles gut wird (bei uns alles gut ist).


Aus T-9 wird T-7: Unser aktueller Rückreisetermin ist heute in einer Woche. Als wir den ursprünglichen Flug im Sommer letzten Jahres für Ende März gebucht haben, war uns noch zu Scherzen zumute. Ob wir den Heimflug überhaupt antreten würden, oder wir uns doch für ein neues Leben am anderen Ende der Welt entscheiden, hören wir unsere Familien beim Abschied zuhause noch witzeln. Und erst vor kurzem waren wir es dann, die genau an diese Worte dachten und weiter scherzten. – „Stell dir vor, sie lassen uns nicht mehr daheim einreisen und wir müssten für längere Zeit hierbleiben, wärst du für ein Leben samt Sack und Pack im Campervan oder doch eine kleine Farm mit Alpakas und Hühnern?“, „Mhhhhh … zuerst der Van, dann die Hühner!“. Eine Situation, wie sie heute eine ist – schlicht zu weit weg und nicht greifbar.


ABER und jetzt kommt wieder die Vernunft, die uns alles ganz klar sehen lässt. Wir hatten 3 Monate an den schönsten Plätzen dieser Welt Zeit, unseren Kopf neu zu justieren, den Ton unseres Herzens ein weniger lauter zu drehen, unseren Mut auszugraben und vor allem unser Vertrauen ins Leben zu stärken. Wir haben auf dieser Reise so viel in unserem Gepäck entdeckt, Neues mitgenommen und Altes rausgeworfen, das wir nutzen wollen. Auch, oder viel mehr noch, gerade jetzt! Menschen öffnen ihre Fenster und singen für alle offenen Ohren, die hören wollen. Menschen verteilen Flyer und bieten all jenen Unterstützung bei Besorgungen, die Hilfe brauchen. Menschen erinnern weniger bedachte Mitmenschen daran, wie schön das Leben ist und es sich mehr denn je lohnt, an einem Strang zu ziehen. Menschen fahren runter, reflektieren und besinnen sich der wichtigeren Dinge im Leben. Menschen lesen, Menschen stricken, Menschen kramen alte, schon längst verstaubte Spiele aus ihren Ecken. Menschen fangen an, die ihnen auferlegte Zeit zu nutzen – und hoffentlichen behalten sie sich dies auch nach der Krise ein Stück weit bei …


Und so wollen auch wir versuchen, heute unseren kleinen Beitrag zu leisten. Vielleicht können wir euch mit unserer kleinen, aber feinen Auswahl an neuen Fotos unten den Tag verschönern und euch ein paar Minuten in eine andere Welt entführen. Träumt euch in Frodos Zuhause, wenn euch die Decke auf den Kopf zu fallen droht.


Auf Instagram haben wir übrigens ein paar unserer absoluten Lieblings-Shots dieser Reise geteilt, die euch zumindest im Kopf ganz weit weg träumen lassen, wann immer ihr wollt.



May your choices reflect your hopes, not your fears.

Nelson Mandela






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