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  • David

Träum weiter

60 Stunden und vermutlich ein paar graue Haare später sind wir wieder in unseren eigenen vier Wänden angekommen. Neuseeland haben wir ein paar Tage eher verlassen, als ursprünglich geplant. Aber eins ist sicher, die Erinnerungen werden uns für immer erhalten bleiben ...

Vollgepackt mit vielen schönen Eindrücken aus Thailand, Indonesien und Australien stand das dritte und letzte große Ziel unserer Reise an. Mit hohen Erwartungen ging's im Flieger innerhalb von drei Stunden von Melbourne auf die Südinsel Neuseelands, nach Christchurch. Bis kurz vor der Landung hatten wir es uns noch offen gelassen, ob wir die Insel im oder gegen den Uhrzeigersinn umrunden – denn der Westen der Insel kann sich schon gern mal von der rauen und nassen Seite zeigen.


Mittlerweile ein eingespieltes Team was das Camperleben betrifft, haben wir direkt nach der Landung Camper #4 entgegengenommen und sind nach einem kurzen Wettercheck gen Norden aufgebrochen. Die Stecknadeln zu den für uns interessantesten Spots waren gesetzt, ansonsten wird angehalten, wo’s gefällt.


Also steigt mit ein, wir nehmen euch auf unsere Rundreise über die Südinsel Neuseelands zu einigen unserer besten Stopps der 3.100 gefahrenen Kilometer mit.


1. Kaikoura

Die Stadt der Delphine, Wale und Seelöwen war unser erstes Ziel und zugleich ein nächstes Highlight unserer Reise. Angekommen in dem kleinen Fischerdorf an der Ostküste scheint es weit mehr Touristen als Einwohner zu geben. Und das hat auch seinen Grund. Neben den frischen Langusten, die man in Kaikoura serviert bekommt, bietet der kleine Ort unterschiedlichste Ausflugsziele an, um die Giganten der See zu bestaunen. Wir haben spontan vor unserer Ankunft noch schnell zwei Tickets für eine Vormittagsausfahrt am nächsten Tag zum Walewatching ergattert und wurden nicht enttäuscht. Die Chance, den viertgrößten Wal (Pottwal) der Weltmeere zu sichten, wird beim Kauf des Tickets zwar nicht garantiert, aber die Wahrscheinlichkeit scheint sehr hoch zu sein, ansonsten gibt's einen Teil des Preises zurück. Wir mussten zwar ein wenig auf "ihn" warten, und haben währenddessen die unterschiedlichsten Arten der Albatrosse (XXL Möwen) Seelöwen und Langusten um uns herum studiert, aber dann hat sich der Gigant schließlich doch gezeigt.



2. Abel Tasman National Park

Am 13. Dezember 1642 erreichte der niederländische Seefahrer "Abel Tasman" als erster Europäer Neuseeland, nachdem er auf seiner Entdeckungsreise bereits den Australischen Kontinent umsegelt hatte. Und auch wenn A.Tasman Neuseeland sich hier nie niedergelassen hat, wurde rund 300 Jahre später der kleinste Nationalpark Neuseelands nach dem Entdecker benannt.

Wer sich "ein wenig" die Füße vertreten möchte, ist hier genau richtig. Nicht umsonst zählt der 51 km lange Küstenpfad zu den Great Walks in Neuseeland, der in mehreren Tagesetappen bewältigt werden kann. Entweder startet man auf eigene Faust und mit dem Zelt im Gepäck los, oder man begeht nur einen Teil des Tracks und lässt sich ab Marahau mit dem Wassertaxi zum nächsten Ausgangspunkt fahren – allein der Transport durch die Traktoren ins Wasser ist das Abenteuer wert.


3. Franz Josef & Fox Glacier

Wir schlagen uns durch wechselhaftes Wetter die Westküste Richtung Süden entlang, um zum Basislager des Franz Josef Gletschers zu gelangen. Was hier nicht zu übersehen bzw. zu überhören ist, sind die unzähligen Hubschrauber, die im Minutentakt die Touristen zum schnelldahinschmelzenden Gletscher bringen. Uns war natürlich immer bewusst, das wir mit unserer Reise so einige ökologische Fußabdrücke hinterlassen. Spätestens wenn man sich aber die Schilder am Fuße des Gletschers etwas genauer ansieht, die die Geschichte des Gletschers dokumentieren, an dem vor nicht so langer Zeit noch Schnee & Eis lag, kommt man schon ziemlich ins grübeln. So verlockend ein Flug inkl. Gletscherwanderung gewesen wäre, haben wir uns für die kostenfreie (und ziemlich intensive) Alternative entschieden, und sind den gegenüberliegenden Alex Knob Track auf 1.303 Meter hinaufgewandert. Normalerweise sollte man von dort einen wunderbaren Blick auf den Franz Josef Gletscher haben. An diesem Tag blieb uns der Blick leider verwehrt, dennoch können wir die Wanderung sehr empfehlen.


4. Wanaka

Hier könnte man glatt einige Tage, oder sogar für immer bleiben. Bereits unzählige Kilometer vor Erreichen der Stadt schlängelt sich die Straße parallel dem Lake Wanaka, der dank der zahlreichen Lookouts neben der Straße zum Anhalten einlädt. Hier haben wir das beste Mittagessen in unseren Campingstühlen erste Reihe Fußfrei genossen. Das Städtchen ist umringt von einer atemberaubenden Berglandschaft (in der Ferne teilweise sogar schneebedeckt), das seinen ganz eigenen Charme versprüht.

Für den nächsten Tag hatten wir uns ein paar Kilometer außerhalb des Ortszentrum eine mehrstündige Wanderung auf den Mount Roy vorgenommen – vom Gipfel hat man einen fantastischen 360° Blick über die gesamte Region. Frühmorgens ging's direkt los, um den vielbesuchten Track möglichst allein zu begehen. Als wir kurz vor Sonnenaufgang am Parkplatz ankamen, wurden wir jedoch eines Besseren belehrt. Dieser war nämlich bereits voll. Wer also den Sonnenaufgang einmal vom Roys Peak verfolgen möchte, ist am Gipfel definitiv nicht allein ;-).

Tipp: 70 km nördlich von Wanaka ist ein Halt an den Blue Pools ein MUSS – und ja, das Wasser ist wirklich so blau!



5. Queenstown

Dank der ersten Flugstornierung für unsere Rückreise nach Hause waren wir an diesem Tag nicht so in Sightseeing Laune, und haben Queenstown nur einen Kurzbesuch abgestattet. Aber auch egal, war ja nur mein Geburtstag ;-). Zumindest haben die Fish & Chips, ein Geburtstagskuchen und zwei Tickets für die Milford Sounds später die Stimmung wieder etwas gehoben :-).



6. Milford Sounds

Wir sind am selben Tag noch weiter in das zwei Stunden südlich gelegene Te Anau gefahren, um uns am nächsten Morgen zu den Milford Sound Fjords aufzumachen. Normalerweise kann man eigenständig nach Milford Sound fahren. Da es im Sommer aber zu sehr starken Regenfällen gekommen ist, wurde ein Teil der Bergstraße vom Wasser unterspült und ist momentan nur ausgewählten Bus- bzw. Touranbietern erlaubt zu befahren.

Die Besonderheit des Fjords sind die emporragenden Berge und unzähligen Wasserfälle, die man mit einer kleinen Fähre passiert. Es gab aber seit 4 Tagen in der eigentlich sehr regenreichen Gegend keinen Niederschlag, daher waren die Wasserfälle etwas reduziert. Nichtsdestotrotz ist das Naturschauspiel, das einem dort geboten wird, wirklich einzigartig und bei jeder Witterung, egal ob Sommer oder Winter, eine Reise wert.



7. Nugget Point, Moeraki Boulders & Co.

Rund eine Woche vor unserem ursprünglichen Abflug haben sich die Nachrichten in Europa und der restlichen Welt regelrecht überschlagen und auch wir konnten die Situation nicht mehr so richtig ausblenden (mehr dazu in Evas letztem Beitrag ;-)). Nachdem wir unser eigenes kleines Krisenmanagement mit Flugumbuchungen, Gesprächen mit Botschaften & internen Diskussionen :-) hinter uns gebracht haben, konnte die Reise Tag für Tag erneut im hier und jetzt weitergehen. Besonders die Landschaft, wie etwa die Moeraki Boulder's unten, oder gelegentlich auch mal ein Stück Kuchen, haben uns zu der Zeit ganz gut abgelenkt.


9. Mount Cook

Das Beste kommt bekanntlich zum Schluss. Wir nähern uns dem höchsten Berg Neuseelands. Mit 3.724 m Höhe fehlen dem Mount Cook gerade mal 74 m auf den Grossglockner. Bereits von der Ferne wirkt der dauerhaft mit Schnee & Eis bedeckte Berg wie ein Koloss in der Landschaft und zieht einen magisch in seine Nähe. Mehrere (Foto-) Stopps sind notwenig, bis man es in die Nähe des Mount Cook schafft. Auch hier gibt's wunderschöne Tagestouren zum Wandern, bei denen man das Berg-Massiv bestaunen kann. Wir haben uns nicht in die Höhe begeben, sondern sind entlang des Hooker Valley Track zum Gletscherauslauf bzw. Hooker Lake gewandert. Ende Sommer auf rund 877 m Höhe auf einen (Eis-) Stausee mit riesigen Eisbrocken zu stoßen, damit hätten wir auch nicht gerechnet. Wir haben direkt zwei Nächte in der Gegend, besser gesagt am Lake Pukaki, verbracht und haben sowohl tagsüber ein Farbenspiel des Sees, als auch Nachts die mit Abstand beste Sicht auf die Milchstraße beobachtet.



Diese Reise hat uns so viel mitgegeben, und auch wenn die letzten paar Tage vor Ort etwas turbulent waren, möchten wir keinen einzelnen Moment dieses Trips missen. Egal in welcher Situation des Lebens gehören Höhen wie Tiefen dazu. Umso mehr hat man in den weniger schönen Momenten gemerkt, dass der Zusammenhalt das wohl stärkste Gut ist, das man in seinem Reisegepäck dabei haben kann.


Wir hoffen, wir konnten euch mit #turnyourpages ein bisschen auf unsere Reise mitnehmen. Auch wenn es doch mehr Zeit in Anspruch genommen hat, als wir anfangs vermutet hatten, hat es uns riesig Spaß gemacht und wir haben auch schon ein paar Ideen, wie wir die Seite hier am Leben halten. Also nicht weglaufen ;-).


Abschließend blicken wir noch einmal nach Neuseeland zurück, wo aktuell Sicherheitsstufe 4 und der komplette Lockdown des Landes eingeleitet wurde. Die unvergleichliche Freiheit, die wir dort verspürten, wird für die nächsten Wochen erst einmal eingeschränkt sein. Was uns zeigt, dass wir genau die richtige Entscheidung getroffen haben, im letzten Moment noch die Reißleine zu ziehen und heimzufliegen.

Aber es kommen auch wieder andere Zeiten. Schließlich wartet noch eine Nordinsel auf ihre Erkundung ...



P.S. die gesamte Route könnt ihr hier verfolgen:




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